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Kleinunternehmerregelung in Österreich

Kleinunternehmer müssen keine Umsatzsteuer an das Finanzamt zahlen, dürfen im Gegenzug aber auch keine Vorsteuer abziehen. Die Kleinunternehmerregelung ist optional. Die Umsatzgrenze beträgt 35.000 Euro netto. Diese Grenze darf einmal in 5 Jahren um 15 % überschritten werden.

Letzte Aktualisierung:
Simone A. Mitgründerin, Entwicklung, Inhalt & Marketing

Was ist die Kleinunternehmerregelung und wer sollte sie in Anspruch nehmen? Wir klären auf!

Wer ist Kleinunternehmer?

Wer als Unternehmer die Umsatzgrenze von 35.000 Euro (netto) nicht überschreitet, fällt unter die sogenannte Kleinunternehmerregelung.
Als ein solcher Kleinunternehmer ist man unecht umsatzsteuerbefreit, das bedeutet:

  • man muss von den Einnahmen keine Umsatzsteuer bezahlen (keine Umsatzsteuer in Ausgangsrechnungen)
  • man darf aber von den Ausgaben auch keine Vorsteuer abziehen (kein Vorsteuerabzug von Eingangsrechnungen)

Einmal in 5 Jahren darf die Umsatzgrenze von den 35.000 Euro um maximal 15 % überschritten werden. Die Kleinunternehmerregelung ist in Österreich in § 6 Abs 1 Z 27 UStG - Umsatzsteuergesetz - geregelt.

Achtung:

Die Kleinunternehmerregelung ist nicht zu verwechseln mit dem Kleinunternehmer im Sinne des Sozialversicherungsgesetzes. Für die SVS (Sozialversicherung der Selbstständigen) sind Sie Kleinunternehmer, wenn Ihre Einnahmen unter 5.527,92 Euro im Jahr (Stand 2020) liegen. 

Sie haben dann die Möglichkeit, sich aus der Pflichtversicherung ausnehmen zu lassen. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Ratgeberartikel zum Thema Sozialversicherung.

Entscheidungshilfe zur Kleinunternehmerregelung

Als Unternehmensgründer stehen Sie zu Beginn vor der Qual der Wahl. Sie müssen im Vorhinein bekannt geben, ob Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen wollen - zu einem Zeitpunkt, zu dem Sie noch nicht mit Sicherheit sagen können, ob Ihre Umsätze über oder unter 35.000 Euro netto liegen werden.

Wann lohnt es sich, Kleinunternehmer zu sein?

Wenn Sie als Unternehmer Ihre Leistungen hauptsächlich für private Kunden erbringen, müssen Sie keine Umsatzsteuer ausweisen und haben dadurch den Vorteil, dass Sie die Leistung eventuell günstiger anbieten können.

Die Inanspruchnahme lohnt sich also, wenn Sie:

  • hauptsächlich Privatpersonen zu Ihren Kunden zählen
  • Geringe Investitionen bei der Gründung haben
  • Ihr Umsatz voraussichtlich 35.000 Euro nicht übersteigen wird

Praxisbeispiel

Wann macht es Sinn, die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen?

Frau Eder ist selbstständig als Hundetrainerin tätig. Sie plant, für das Gründungsjahr einen Umsatz von 18.000 Euro zu erwirtschaften. Ihre Kunden sind Privatpersonen und damit Endverbraucher. Ausgaben sowie laufende Kosten sind bei Frau Eder sehr gering. Investitionen sind auch nicht geplant, da alle nötigen Betriebsmittel schon vorhanden sind.

Für Frau Eder ist es sinnvoll, die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen. Ihre Kunden sind Endverbraucher, sie muss keine Investitionen tätigen und laufende Kosten hat sie nur geringe. Zudem rechnet sie mit einem Umsatz von deutlich unter 35.000 Euro. Frau Eder kann ihre Leistung somit um 20 % "günstiger" anbieten, da sie keine Umsatzsteuer verrechnen muss, im Gegenzug aber auch keine Vorsteuer gelten machen kann.

Wann sollten Sie die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch nehmen?

Wenn Sie als Unternehmer Ihre Leistungen hauptsächlich an andere Unternehmen erbringen, ist die Regelbesteuerung für Sie von Vorteil, weil die Unternehmen selbst vorsteuerabzugsberechtigt sind und daher nur den Nettobetrag zahlen müssen.

Diese Unternehmen erhalten die an Sie bezahlte Umsatzsteuer vom Finanzamt wieder zurück. Ihr direkter Vorteil besteht darin, dass Sie dementsprechend auch selbst dazu berechtigt sind, bezahlte Vorsteuern vom Finanzamt zurückzuerhalten.
Der Vorsteuerabzug wird besonders interessant, wenn beispielsweise gerade zu Beginn der Geschäftstätigkeit umfangreichere Investitionen oder Anschaffungen geplant sind und Sie auf diesem Weg die Vorsteuer dafür geltend machen können.

Sie sollten also direkt die Regelbesteuerung verwenden, wenn Sie:

  • Leistungen, Produkte hauptsächlich an Firmenkunden verkaufen (B2B)
  • für die Unternehmensgründung viele Investitionen tätigen müssen (Büroeinrichtung, IT-Infrastruktur/Computer, Maschinen)
  • (hohe) laufende Kosten haben (z.B. Miete, Leasingvertrag, Lizenzen, usw.)
  • Ihr Umsatz voraussichtlich 35.000 Euro netto übersteigen wird

Praxisbeispiel

Wann macht es Sinn, gleich mit USt zu verrechnen?

Herr Maier ist in der IT-Branche tätig. Er betreut und installiert für Unternehmen die elektronische Infrastruktur und Sicherheitssysteme. Für die Erfüllung dieser Aufträge braucht er stets modernes und viel an teurem elektronischem Equipment, hat dadurch laufend hohe Investitionen zu tätigen.

Seine Kunden sind ausschließlich Unternehmen und durch erfolgreiche Arbeit und Weiterempfehlungen an andere Unternehmen könnte Herr Maier auch die Umsatzgrenze von 35.000 Euro überschreiten.

Für Herrn Maier ist es sinnvoll, gleich die Regelbesteuerung in Anspruch zu nehmen, da er dann selbst berechtigt ist, die für sein teures Arbeitsequipment (Computer, Laptops, Software, Datenträger & Speichermedien, etc.) bezahlten Vorsteuern vom Finanzamt für Einkäufe zurückzuerhalten.

Wichtig: Es gilt zu beachten, dass man bei der Regelbesteuerung (Verrechnung mit Ust) mindestens 5 Jahre gebunden ist. Das heißt, verzichten Sie auf die Kleinunternehmerregelung, können Sie frühestens nach 5 Jahren wieder zu dieser wechseln.

Wechsel zur Regelbesteuerung: wann und wie?

Ein Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung und Wechsel in die Regelbesteuerung ist grundsätzlich zu jedem Zeitpunkt möglich. Für den Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung ist es nötig, eine entsprechende Erklärung beim Finanzamt einzubringen. Das geschieht mittels Einreichen des ausgefüllten und unterzeichneten Formulars U12.

Rückverrechnung der USt: Vorsteuerberichtigung

Wenn der Unternehmer einen Wechsel von der Umsatzsteuerbefreiung zur Umsatzsteuerpflicht vornimmt, darf er eine positive Vorsteuerkorrektur machen. Das heißt, er darf für Umlaufvermögen entsprechend bestimmter Regularien die Vorsteuer nachträglich geltend machen.

Für Anlagegüter ist eine (anteilige) nachträgliche Geltendmachung möglich, wenn die Anschaffung (Herstellung) innerhalb des Berichtigungszeitraums liegt. Die Berichtigungszeiträume dabei sind:

  • bewegliche Anlagegüter: fünf Jahre
  • unbewegliche Anlagegüter: zwanzig Jahre

In der Praxis kann es mitunter schwierig werden, bereits gestellte Rechnungen um die USt zu korrigieren. Bei Firmenkunden, die selbst vorsteuerabzugsberechtigt sind, sollte das möglich sein. Bei Privatkunden stellt es sich in der Regel als schwierig bis nicht möglich dar.

Kleinunternehmerrechnung

Wenn der Kleinunternehmer die Umsatzsteuer dennoch in Rechnung stellt, obwohl er die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt, schuldet er diese dem Finanzamt und muss sie auch abführen.
Will man das verhindern, ist man verpflichtet, die Rechnung gegenüber dem Kunden so zu korrigieren so, dass keine Umsatzsteuer mehr ausgewiesen wird.

Dabei ist ein Verweis auf die Umsatzsteuerbefreiung auf der Kleinunternehmerrechnung z.B. wie folgt kenntlich zu machen:

Umsatzsteuerbefreit – Kleinunternehmer gem. § 6 Abs. 1 Z 27 UStG

Weitere Informationen zum Thema Kleinunternehmerrechnung finden Sie in unserem Ratgeberartikel "Rechnung schreiben einfach erklärt".

Zusammenfassung

Der Vorteil der Kleinunternehmerregelung besteht darin, dass Unternehmen, die hauptsächlich an Privatkunden verrechnen, ihre Leistungen mitunter günstiger anbieten können, weil keine Umsatzsteuer im Preis enthalten ist.
Diese Regelung können nur Unternehmen anwenden, deren Umsatz unter 35.000 Euro netto im Jahr liegt. Diese Grenze darf einmal in 5 Jahren um 15 % überschritten werden.

Stellt ein Kleinunternehmer eine Rechnung aus, darf die USt nicht ausgewiesen werden und ein Vorsteuerabzug ist nicht möglich. Zudem muss der Hinweis auf die USt-Befreiung vermerkt sein:

Umsatzsteuerbefreit – Kleinunternehmer gem. § 6 Abs. 1 Z 27 UStG

Ein Wechsel in die Regelbesteuerung (Verrechnung mit Umsatzsteuer) ist jederzeit möglich. Zu beachten ist, dass ein Wechsel jedenfalls 5 Jahre bindet.

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Fragen und Antworten

Die Kleinunternehmerregelung bedeutet, dass Unternehmen, deren Umsatz weniger als 35.000 Euro netto pro Jahr beträgt, keine Umsatzsteuer an das Finanzamt zahlen müssen. Sie dürfen aber auch keine Vorsteuer gelten machen.

Die Grenze von 35.000 Euro darf einmal in 5 Jahren um 15 % überschritten werden.

Ja! Ein Wechsel in die Regelbesteuerung ist jederzeit möglich. Beachten Sie, dass dieser Wechsel jedoch mindestens 5 Jahre bindet.

Dabei gilt es abzuwägen: wenn Sie viele Firmenkunden haben, Investitionen tätigen oder hohe laufende Kosten haben, ist es sicherlich von Vorteil, direkt mit USt zu verrechnen, selbst dann, wenn Sie 35.000 Euro Umsatz nicht überschreiten.

Weitere Informationen & Quellen

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