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Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS)

In Österreich gibt es ein umfassendes Sozialversicherungssystem. Alle selbstständigen Personen unterliegen der Pflichtversicherung, welche durch das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz (GSVG) geregelt ist.

Letzte Aktualisierung:
Simone A. Mitgründerin, Entwicklung, Inhalt & Marketing

Aus der Sozialversicherungsanstalt der Gewerbetreibenden (SVA) und der Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB) wurde mit 1.1.2020 die  Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen (SVS).

Was ist die Pflichtversicherung?

In Österreich gilt das System der Pflichtversicherung. Das bedeutet, dass der Abschluss einer Versicherung in den Bereichen Unfall-, Kranken- und Pensionsversicherung verpflichtend für alle erwerbstätigen Personen ist. Im Unterschied zur KFZ-Pflichtversicherung gibt es für Unfall-, Kranken- und Pensionsversicherung keine privatwirtschaftliche Auswahlmöglichkeit, sondern einen staatlich organisierten Versicherungsträger. Für alle selbstständigen Personen und Unternehmer ist das die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS).

Die SVS ist somit für folgende Personengruppen zuständig:

  • Selbstständig Erwerbstätige nach dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz (GSVG)

  • Bauern und Forstwirte nach dem Bauern-Sozialversicherungsgesetz (BSVG)

  • Freiberufler nach dem Sozialversicherungsgesetz für freiberuflich selbstständig Erwerbstätige (FSVG)

Die Versicherungspflicht tritt unter bestimmten Voraussetzungen in Kraft. Unter gewissen Umständen können sich auch Angehörige bei der SVS "mitversichern".

Beginn der Versicherungspflicht

Rund um den Beginn der Versicherungspflicht wird zwischen Gewerbetreibenden (Gründung mit Gewerbeschein) und allen anderen (Gründung ohne Gewerbeschein) unterschieden.

Gründung mit Gewerbeschein

Bei Gewerbetreibenden beginnt die Pflichtversicherung grundsätzlich mit dem Tag der Gewerbeanmeldung. Die Meldung erfolgt automatisch vonseiten der Gewerbebehörde. Trotzdem müssen Sie sich innerhalb eines Monats bei der SVS melden.

Gründung ohne Gewerbeschein

Als Neuer Selbstständiger kommt es für Sie darauf an, ob Sie unter oder über der Geringfügigkeitsgrenze Einkünfte erzielen. Sofern keine Meldung an die SVS erfolgt, kann erst im Nachhinein geprüft werden (mittels Einkommenssteuerbescheid), ob eine Pflichtversicherung besteht. In diesem Fall ist der Beginnzeitpunkt der Pflichtversicherung jener Tag, mit dem Sie glaubhaft den Beginn der Tätigkeit nachweisen können. Andernfalls wird der 1.1. angenommen.

Sie können in jedem Fall eine Überschreitungserklärung abgeben und der SVS so mitteilen, dass Sie ein Pflichtversicherungsverhältnis anstreben. Dann beginnt die Pflichtversicherung mit dem Tag, an dem Sie die Überschreitungserklärung einbringen.

Versicherungsgrenze:

Die Versicherungspflicht bei der SVS tritt in Kraft, sofern Sie selbstständige Arbeit erbringen, die Versicherungsgrenze von 5.527,92 Euro Gewinn jährlich (2020) übersteigen und sonst mit dieser Tätigkeit nicht anderweitig versichert sind (z.B. ASVG).

Wer ist in der SVS versichert?

Zusammengefasst müssen sich alle selbstständigen Unternehmer bei der SVS pflichtversichern, sofern die Versicherungsgrenze von 5.527,92 Euro Gewinn pro Jahr überschritten wird.

Im Detail sind also alle

  • Einzelunternehmer,

  • Gesellschafter einer OG,

  • Komplementäre einer KG,

  • Gesellschafter einer GmbH mit Gewerbeberechtigung, sofern sie mit mehr als 25% an der Gesellschaft beteiligt sind,

  • Neue Selbstständige (z.B.: Autoren, alle die im Bereich Erwachsenenbildung tätig sind, Gutachter, Journalisten, Künstler, Trainer, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, usw.),

  • Bauern- und Forstwirte

bei der Sozialversicherung der Selbstständigen versichert sind oder sich versichern müssen.
Zudem können sich Angehörige der obigen Personengruppen unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls bei der SVS versichern.

Beitragsgrundlage – wieviel zahlt man an die SVS?

Man unterscheidet bei den Beiträgen zur Sozialversicherung zwischen Beitragsgrundlage und Beitragsprozentsatz.
Ausgehend von einer Beitragsgrundlage wird ein Prozentsatz angewandt, um die endgültige Höhe der SVS-Zahlungen festzustellen.
Die Prozentsätze sind je nach Versicherungsleistung unterschiedlich:
  • Pensionsversicherung: 18,50 %
  • Krankenversicherung: 6,8 %
  • Selbstständigenvorsorge: 1,53 %
  • Unfallversicherung: Fixbetrag

Beitragssatz und Beitragsgrundlage

Die Beiträge zur Sozialversicherung spalten sich in einen variablen Prozentsatz (Beitragsprozentsatz) und einen Fixbetrag (Beitragsgrundlage) auf:

Beiträge Monat Quartal Jahr
Pensionsversicherung (18,50 %) 106,26 318,78 1.275,12
Krankenversicherung (6,8 %) 31,32 93,96 375,85
Selbstständigenvorsorge (1,53 %) 7,05 21,15 84,60
Unfallversicherung (Fixbetrag) 10,09 30,27 121,08
Gesamtbetrag in Euro 154,72 464,16 1.856,64

 

Die Prozentsätze beziehen sich auf die Bemessungsgrundlage. In jedem Fall ist aber die Mindestbeitragsgrundlage zu bezahlen (siehe Tabelle oben).
Die tatsächliche Festsetzung der endgültigen Sozialversicherungsbeiträge erfolgt auf Basis des Einkommenssteuerbescheides.

Tipp: Die Sozialversicherungszahlungen sind kein Fixbetrag, sondern richten sich nach Ihrem Unternehmenserfolg. In Summe zahlen Sie immer 26,83 % Ihres Betriebsergebnisses an die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS). Erwirtschaften Sie weniger als die Geringfügigkeitsgrenze von 5.527,92 Euro jährlich, besteht die Möglichkeit, dass Sie sich aus der Pflichtversicherung ausnehmen lassen.

Mindestbeitragsgrundlage

Die Mindestbeitragsgrundlage in der Krankenversicherung ist an die Geringfügigkeitsgrenze angepasst und beträgt 2020 5.527,92 Euro jährlich. In der Pensionsversicherung gilt bis 2022 noch die Grenze von 6.892,32 (Werte 2020) Euro jährlich. Das bedeutet also, dass Sie als Gewerbetreibender in jedem Falle einen Sozialversicherungsbeitrag von mindestens 1.856,64 zu zahlen haben - unabhängig davon, ob Sie mit Ihrer Geschäftstätigkeit einen Gewinn oder Verlust erwirtschaften.

Höchstbemessungsgrundlage

Die Höchstbemessungsgrundlage beträgt aktuell jährlich 75.180 Euro oder 6.265 Euro monatlich.

Beitragssatz und Beitragsgrundlage

Die Beiträge zur Sozialversicherung für Neue Selbstständige spalten sich in einen variablen Prozentsatz (Beitragsprozentsatz) und einem Fixbetrag (Beitragsgrundlage) auf:

Beiträge Monat Quartal Jahr
Pensionsversicherung (18,50 %) 85,23 255,67 1.022,68
Krankenversicherung (6,8 %) 31,32 93,96 375,85
Selbstständigenvorsorge (1,53 %) 7,05 21,15 84,60
Unfallversicherung (Fixbetrag) 10,09 30,27 121,08
Gesamtbetrag in Euro 133,68 401,05 1.604,20

 

Die Prozentsätze beziehen sich auf die Bemessungsgrundlage. In jedem Fall ist aber die Mindestbeitragsgrundlage zu bezahlen (Siehe Tabelle oben). Die tatsächliche Festsetzung der endgültigen Sozialversicherungsbeiträge erfolgt auf Basis des Einkommenssteuerbescheides.

Tipp: Die Sozialversicherungszahlungen sind kein Fixbetrag, sondern richten sich nach Ihrem Unternehmenserfolg. In Summe zahlen Sie immer 26,83 % Ihres Betriebsergebnisses an die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS). Erwirtschaften Sie weniger als die Geringfügigkeitsgrenze von 5.527,92 jährlich, besteht die Möglichkeit, dass Sie sich aus der Pflichtversicherung ausnehmen lassen.

Mindestbeitragsgrundlage

Die Mindestbeitragsgrundlage in der Krankenversicherung ist an die Geringfügigkeitsgrenze angepasst und beträgt 2020 5.527,92 Euro jährlich. In der Pensionsversicherung ist bei Neuen Selbstständigen ebenfalls die Geringfügigkeitsgrenze als Mindestbeitrag anzusetzen: 5.527,92 (2020) Euro jährlich. Das bedeutet also, dass Sie als Neuer Selbstständiger in jedem Falle einen Sozialversicherungsbeitrag von mindestens 1.604,20 zu zahlen haben, unabhängig davon, ob Sie mit Ihrer Geschäftstätigkeit einen Gewinn oder Verlust erwirtschaften.

Höchstbemessungsgrundlage

Die Höchstbemessungsgrundlage beträgt aktuelle jährlich 75.180 Euro oder 6.265 Euro monatlich.

Festsetzung der Sozialversicherungsbeiträge

Sobald die tatsächlichen Einkünfte eines Kalenderjahres mittels Einkommenssteuerbescheid feststehen, wird die SVS die Sozialversicherungsbeiträge endgültig festsetzen.

Beachten Sie, dass diese Festsetzung üblicherweise im 2. Jahr nach der Unternehmensgründung erfolgt. Sofern Ihre Einkünfte größer als die jeweiligen Mindestbeiträge waren, müssen Sie die Differenz nachbezahlen.

Tipp: Im Regelfall wird es bei Ihnen zu einer Nachzahlung kommen. Beachten Sie also, dass Sie entsprechend Rücklagen für die SVS-Nachzahlung aufbauen.

Jungunternehmer

Wenn Sie sich als Gewerbetreibender erstmals selbstständig machen, bzw. in den letzten 10 Jahren nicht nach dem GSVG versichert waren, zahlen Sie in der Krankenversicherung in den ersten 2. Jahren nach der Gründung nur den Mindestbeitrag. Es erfolgt keine Nachbemessung in der Krankenversicherung.

Aber Achtung: Der weitaus größere Teil der gesamten Sozialversicherungszahlungen sind die Beiträge für die Pensionsversicherung. Das bedeutet, dass zwar der Betrag für die Krankenversicherung fix ist, sofern Sie Neugründer sind, die Nachbemessung in der Pensionsversicherung erfolgt allerdings in jedem Fall. Bilden Sie daher ausreichend Rücklagen!

Das verflixte 3. Jahr

Der weitaus größere Teil der gesamten Sozialversicherungszahlungen von 26,83 % sind die Beiträge für die Pensionsversicherung, nämlich 18,50 %. Das bedeutet, dass zwar der Betrag in für die Krankenversicherung fix ist, sofern Sie Neugründer sind, die Nachbemessung in der Pensionsversicherung erfolgt allerdings in jedem Fall. Bilden Sie daher ausreichend Rücklagen!

Viele Jungunternehmer vergessen diesen Umstand, wodurch es in weiterer Folge im berühmt-berüchtigten verflixten 3. Jahr zu finanziellen Herausforderungen kommen kann. Viele Gründer sind von der Nachzahlungsforderung der SVS überrascht. Dazu kommt noch, dass die Vorauszahlungen an die SVS, also die laufende Beitragsvorschreibung, eventuell erhört wird.

Behalten Sie daher Ihre Sozialversicherungsabgaben und Steuern im Blick. Am besten mit einem Buchhaltungstool, welches speziell für die österreichische Rechtslage ausgerichtet ist.

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Ausnahme aus der Pflichtversicherung

Als Einzelunternehmer (und nur dann!) können Sie sich unter bestimmten Voraussetzungen aus der Pflichtversicherung ausnehmen lassen. Sie müssen dann nur die Unfallversicherung von jährlich 121,08 Euro (2020) zahlen.

Verwirrender Weise ist diese Regelung unter "Kleinunternehmerregelung" bekannt. Das ist aber nicht zu verwechseln mit der Kleinunternehmerregelung im Sinne der Umsatzsteuer.

Die Kleinunternehmerregelung im Sinne der Sozialversicherung bedeutet also die Ausnahme aus der Pflichtversicherung. Die Voraussetzungen dafür sind:

  • Gewinn ist unter der Geringfügigkeitsgrenze von 5.527,92 Euro (2020)
  • Umsatz ist unter 35.000 Euro

Bedenken Sie, dass Sie die Ausnahme aus der Pflichtversicherung mittels Antrag bei der SVS einbringen müssen.

Sofern Sie sich aus der Pflichtversicherung ausnehmen lassen, erwächst aus dieser Tätigkeit kein Versicherungsschutz in der Pensionsversicherung und Krankenversicherung.

Die Ausnahme aus der Pflichtversicherung kann z.B. für Gründer von Interesse sein, die sich im Nebenerwerb selbstständig machen und sich in einem Dienstverhältnis befinden.

Ende der Pflichtversicherung

Das Pflichtversicherungsverhältnis endet, wenn Sie:

  • Die Gewerbeberechtigung zurücklegen

  • Die Löschung im Firmenbuch beantragen (persönlich haftender Gesellschafter einer Personengesellschaft)

  • die Gewerbeberechtigung einer GmbH zurücklegen

  • Ihre Tätigkeit ruhend stellen

Die Änderungen sind jedenfalls der SVS mitzuteilen. Sie erhalten dann eine Bestätigung über das Ende der Pflichtversicherung per Post.

Zusammenfassung

Bei der Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) sind zusammengefasst alle Unternehmer versichert. In Summe zahlen Sie 26,83 % Ihres Betriebsergebnisses an die SVS. Darin enthalten sind Beiträge für die Krankenversicherung, Pensionsversicherung, Unfallversicherung und die Selbstständigenvorsorge.

Das Versicherungsverhältnis beginnt für Gewerbetreibende mit dem Tag der Gewerbeanmeldung, für neue Selbstständige mit Übermittlung einer Überschreitungserklärung, bzw. wird im Nachhinein von der SVS festgestellt.

Ausnahme aus der Pflichtversicherung: Wenn Ihre Einkünfte die Geringfügigkeitsgrenze von 5.527,92 Euro unterschreiten, können Sie sich von der Pflichtversicherung mit entsprechendem Antrag ausnehmen lassen. Dann muss lediglich die Unfallversicherung bezahlt werden.

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Fragen und Antworten

Die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) ist die Pflichtversicherungsanstalt aller Selbstständigen, Bauern und Forstwirte in Österreich. Die SVS ist die Nachfolgeorganisation der Sozialversicherungsanstalt der Gewerbetreibenden (SVA).

Die Höhe der Beiträge ergibt sich aus unterschiedlichen Beitragsgrundlagen in der Pensionsversicherung, Krankenversicherung und in der Selbstständigenvorsorge. Der Betrag in der Unfallversicherung ist fix. Die genauen Beträge entnehmen Sie bitte dem Punkt "Beitragsgrundlage - wie viel zahlt man an die SVS" weiter oben.

Weitere Informationen & Quellen

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