Gewinnfreibetrag

Was ist ein Gewinnfreibetrag?

Bei natürlichen Personen mit Einkünften aus unternehmerischer Tätigkeit kann aufgrund der Bestimmungen in § 10 des Einkommensteuergesetzes 1988 (EStG) ein Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden: Der Gewinnfreibetrag mindert den Unternehmensgewinn - er wird als Teilbetrag der Einkünfte aus der Besteuerung ausgenommen. Dadurch muss weniger Gewinn versteuert und somit auch weniger Steuer bezahlt werden.

Einkommensbesteuerung | Begünstigung bei Unternehmern

Gewinnfreibetrag: Übersicht

Freibetrag bei selbstständigen Einkünften

Wie bei unselbstständig tätigen Personen im Zuge der Arbeitnehmerveranlagung gibt es auch bei selbstständig tätigen Personen einen Freibetrag im Zuge der Einkommensbesteuerung, also einen Teilbetrag aus den Einkünften, der frei von der Besteuerung bleiben kann und somit die Steuerbemessungsgrundlage mindert.

Bei den selbstständig Tätigen nennt sich dieser steuerfreie Teil Gewinnfreibetrag - da das Einkommen von Selbstständigen eine Einnahme bzw. ein „Gewinn“ aus unternehmerischer Tätigkeit ist.

Durch die Gegenüberstellung der Einnahmen aus der selbstständigen (sprich unternehmerischen) Tätigkeit mit den Betriebsausgaben (sprich unternehmerischen Aufwendungen) wird der Gewinn ermittelt - dieser ist in der Regel aber noch die endgültige Summe, die für die Besteuerung herangezogen wird. Von der Summe des so festgestellten Gewinns kann noch eine „abschließende“ Betriebsausgabe abgezogen werden: der Gewinnfreibetrag.

Einkommensbesteuerung | Betriebseinnahmen & Betriebsausgaben

Gewinnfreibetrag: Höhe

Gewinnfreitrag: Anteile, Höhe und steuerliche Bestimmungen

Je nach Höhe des Gewinns können so bis zu 13 % des (vorläufig) ermittelten Gewinns in Abzug gebracht werden - und müssen somit auch nicht versteuert werden. Daher sprich man auch von einem „Steuerfreibetrag“.

Der Gewinnfreibetrag gliedert sich wiederum wie folgt:

  • Grundfreibetrag: Gewinne bis maximal 30.000 EUR, der Grundfreibetrag kann somit bis zu 3.900 EUR ausmachen. Der Grundfreitrag wird ohne Investitionserfordernis berücksichtigt und steht - auch bei Führen von mehreren Betrieben - nur einmal für Gewinne bis zu insgesamt 30.000 Euro zu.

  • Investitionsbedingter Gewinnfreibetrag: Bei Gewinnen über 30.000 EUR. Dieser Gewinnfreibetrag muss durch Investitionen in begünstigte Wirtschaftsgüter gedeckt werden

  • Gewinnfreibetrag reduziert bei steigenden Gewinnen: Dieser Gewinnfreibetrag steht mit steigenden Gewinnen staffelweise reduziert im folgenden Umfang des Gewinns zu:
    Gewinne bis zu 175.000 EUR: 13 Prozent
    Für die nächsten 175.000 EUR: 7 Prozent
    - Für die nächsten 230.000 Euro: 4,5 Prozent

Für Gewinne, welche die Summer von 580.000 EUR übersteigen, steht kein Gewinnfreibetrag mehr zu. Somit beträgt der maximale Gewinnfreibetrag anhand der oben abgebildeten Staffelung 45.350 EUR.

Zu beachten: Der Grundfreibetrag steht Ihnen auch zu, wenn sie eine Pauschalierung in Anspruch nehmen - unabhängig von der Rechtsgrundlage der Pauschalierung. Der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag hingegen kann bei Inanspruchnahme einer Pauschalierung nicht in Anspruch genommen werden.

Gewinnfreibetrag in der Praxis

Gewinnfreibetrag Beispiel | Praxis- & Berechnungsbeispiel

Nachfolgend finden Sie ein Praxis- und Berechnungsbeispiel, wie sich der Gewinnfreibetrag anhand konkreter Unternehmenszahlen in der Praxis eines (fiktiven) Unternehmens errechnet - durch Klick auf die Grafik können Sie diese vergrößern.

Rahmenbedingungen zum Beispiel:
Im Geschäftsjahr 2020 (des fiktiven Unternehmens) sind die - siehe Grafik - folgenden Investitionen in begünstigte Wirtschaftsgüter getätigt sowie folgende Gewinne erzielt worden. Die Beträge sind jeweils in Euro zu verstehen. Anhand dieser Zahlen wird der Gewinnfreibetrag errechnet.

Legende zum Beispiel:
WG = Wirtschaftsgüter
GFB = Gewinnfreibetrag

Quelle des Praxisbeispiels: Webseite des Unternehmensservice Portal
(Hg.: Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort)

Gewinnfreibetrag: Investitionsbedingter Gewinnfreibetrag & begünstigte Wirtschaftsgüter

Wenn der Gewinn mehr als 30.000 EUR beträgt, kann innerhalb des Höchstbetrages wie oben angeführt der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden. Dabei ist es aber Voraussetzung, dass begünstigte Wirtschaftsgüter angeschafft oder hergestellt werden.

Der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag kann dann in Höhe der Anschaffungs- oder Herstellungskosten dieser Wirtschaftsgüter in Anspruch genommen werden und ist im Jahr der Anschaffung oder Herstellung geltend zu machen.

Dadurch ergibt sich der Effekt, dass im Investitionsjahr sofort bis zu 100 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten abgeschrieben werden, ohne dass dabei die Absetzung für Abnutzung körperlicher Wirtschaftsgüter berührt wird. Diese AfA steht unabhängig davon zusätzlich zu.

Begünstigte Wirtschaftsgüter

Für den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag gelten folgende Güter als begünstigte Wirtschaftsgüter:

  • Körperliche, abnutzbare Anlagegüter mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren. Darunter können auch Gebäude fallen. Für angeschaffte Gebäude ist jedoch der Ausschluss von gebrauchten Wirtschaftsgütern zu beachten.

  • Wertpapiere im Sinne des § 14 Abs 7 Z 4 EStG 1988, wenn sie ab der Anschaffung mindestens 4 Jahre dem Betrieb (durch Aufnahme in ein zu führendes Verzeichnis) gewidmet werden.

Nicht begünstigte Wirtschaftsgüter

Hinsichtlich Gewinnfreibetrag als nicht begünstitgte Wirtschaftsgüter sind insbesondere folgende Güter anzusehen:

  • Pkw und Kombi, ausgenommen Fahrschulfahrzeuge und Taxis

  • Gebrauchte Wirtschaftsgüter

  • Sofort abgesetzte geringwertige Wirtschaftsgüter

Zu beachten: Scheiden Wirtschaftsgüter, für die ein Freibetrag in Anspruch genommen worden ist, vor Ablauf einer Behaltefrist von vier Jahren (Fristenberechnung von Tag zu Tag) aus dem Betriebsvermögen aus, hat grundsätzlich eine Nachversteuerung des in Anspruch genommenen Freibetrages zu erfolgen!

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