Vertrag

Unternehmensgründung | Buchhaltung

Einkunftsarten und Rechtsformen

In Österreich wird zwischen einem echten Dienstverhältnis, einem Werkvertrag bzw. einem freien Dienstvertrag unterschieden. Wir zeigen Ihnen, wie diese Arbeitsverhältnisse auseinander zu halten sind, welche arbeitsrechtlichen Ansprüche daraus entstehen und wie Sie unter den jeweiligen Formen versichert sind. Außerdem zeigen wir Ihnen zwischen welchen Arten von Rechtsformen Sie bei der Unternehmungsgründung wählen können und wie sich Ihre Entscheidung auf Ihre Rechte und Pflichten in Sachen Buchhaltung auswirkt.

Letzte Aktualisierung:
Simone A. Mitgründerin, Entwicklung, Inhalt & Marketing

Welche Vertragsformen der verschiedenen Einkunftssarten und Rechtsformen bei Unternehmungsgründungen gibt es und welche Ansprüche und Verpflichtungen ergeben sich daraus? Eine Antwort auf diese Frage erhalten Sie in diesem Ratgeber.

Unselbständige Erwerbstätigkeit: Echtes Dienstverhältnis

Der Arbeitsvertrag bzw. Dienstvertrag wird zwischen dem Dienstgeber und dem Dienstnehmer abgeschlossen. Typisch für den Dienstvertrag ist, dass der Dienstnehmer in einem Verhältnis persönlicher und wirtschaftlicher Abhängigkeit gegen Entgelt beschäftigt wird. Außerdem muss der Dienstnehmer seine Arbeitsleistung höchstpersönlich erbringen und ist den Weisungen seines Dienstgebers unterworfen. 

Eine bestimmte Form für den Dienstvertrag ist nicht notwendig, allerdings empfiehlt es sich aus Beweisgründen, ihn schriftlich abzuschließen. Auf jeden Fall muss der Dienstgeber einen Dienstzettel ausstellen. Der Dienstzettel ist kein Arbeitsvertrag, er muss aber zB Auskunft darüber geben, welches Gehalt und welche Arbeitszeit vereinbart wurden.

Wird ein echter Dienstvertrag abgeschlossen, gilt der volle arbeitsrechtliche Schutz:

  • Anspruch auf einen Mindestlohn (bei Kollektivvertrag oder Mindestlohntarif) einschließlich Überstundenzuschläge und Sonderzahlungen
  • Urlaubs- und Weihnachtsgeld (lt. KV)
  • bezahlten Urlaub, Entgeltfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit und Pflegefreistellung
  • Abfertigung 

Beispiel

Max ist Angestellter in einem Büro. Durch die persönliche Abhängigkeit ist den Anweisungen des Arbeitgebers zu folgen und Max kann somit nicht seinen Arbeitsort, die Arbeitszeit, etc. frei bestimmen. Ganz im Gegenteil, er ist wegen der persönlichen Abhängigkeit seinem Arbeitgeber unterworfen. 

Echte Dienstverhältnisse unterliegen dem ASVG und soweit Pflichtversicherung in der Krankenversicherung vorliegt dem ALVG (Arbeitslosenversicherungsgesetz). Das heißt, übersteigt das Gehalt die Geringfügigkeitsgrenze (diese liegt im Jahr 2020 bei €460,66 pro Monat), erfolgt eine Vollversicherung nach dem ASVG. Somit ist der Dienstnehmer kranken-, unfall-, pensions-, und arbeitslosenversichert. Der Dienstgeber muss diese Beiträge zur Versicherung vom Gehalt abziehen und an die Sozialversicherung abliefern. Einkommensteuerrechtlich unterliegt der Dienstnehmer der Lohnsteuer, auch diese wird vom Dienstgeber einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Freier Dienstvertrag und Werkvertrag

Arbeiten, welche in einem dieser Vertragsverhältnisse getätigt werden, sind sowohl sozialversicherungsrechtlich als auch steuerrechtlich selbstständige Einkünfte. Diese unterliegen dem GSVG (Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft) als Neuer Selbständiger und wie der freie Dienstnehmer (ASVG) müssen die Einkommens- und Umsatzsteuer beachten werden. Die Sozialversicherungsbeiträge richten sich prinzipiell nach den Einkünften aus Gewerbebetrieb bzw. selbständiger Arbeit. Da diese Einkünfte immer erst im Nachhinein feststehen, kommt es zur Bemessung anhand einer vorläufigen Beitragsgrundlage.

Freier Dienstvertrag

Der freie Dienstvertrag kennzeichnet sich dadurch, dass sich der Dienstnehmer jemanden gegen Entgelt verpflichtet, für bestimmte oder unbestimmte Zeit seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, ohne sich aber in persönliche Abhängigkeit zu begeben. (Der maßgebliche Unterschied zum echten Dienstverhältnis liegt darin, dass der freie Dienstnehmer die Dienstleistungen in persönlicher Unabhängigkeit erbringt.)

Beispiel

Max ist als Programmierer für die Ausführung verschiedener Arbeiten an der Firmenwebsite in einem freien Dienstverhältnis beschäftigt. Er kann seine Arbeit von Zuhause aus erledigen, seine Arbeitszeiten frei wählen und es besteht keine Erfolgsgarantie. Weiters ist er nicht in die Firma eingegliedert, sprich er muss nicht zwingend an Besprechungen teilnehmen und kann auch das Dienstverhältnis jederzeit beenden. Weiters kann er sich auch durch Kollegen vertreten lassen.

Als freier Dienstnehmer hat man keine Ansprüche aus arbeitsrechtlichen Bestimmungen, also keine Ansprüche auf bezahlten Urlaub, Entgeltfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit und kollektivvertraglichen Lohn bzw. Sonderzahlungen. Er ist lediglich nur in die Abfertigung neu einzubeziehen. Freie Dienstnehmer sind aber genauso wie echte Dienstnehmer pflichtversichert (=kranken-, unfall-, pensions-, und arbeitslosenversichert).

Werkvertrag

Bei einem Werkvertrag verpflichtet sich der Auftragnehmer gegen Entgelt für den Auftraggeber zu einem bestimmten Erfolg, sprich die Herstellung eines Werks. Der Auftragnehmer ist typischerweise ein selbstständiger Unternehmer, welcher seine vertragliche Verpflichtung in persönlicher Unabhängigkeit erbringt. 

Beispiel

Max ist Tischler und nimmt einen neuen Auftrag an. Somit schuldet er einen bestimmten Erfolg – sprich die Herstellung eines Tisches. Wenn er dies fristgerecht und ordnungsgemäß erfüllt, erhält er ein Honorar von €500.

Bei einem Werkvertrag bestehen wie bei den freien Dienstnehmern keine arbeitsrechtlichen Ansprüche. Jedoch sind Unternehmer nach dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz (GSVG) pflichtversichert und können eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abschließen. 

Der Sprung in die Selbständigkeit

Wollen Sie den Sprung in die Selbständigkeit wagen? Werfen Sie doch auch einen Blick auf unsere Ratgeber-Seite zur Unternehmensgründung, damit Sie perfekt für Ihre Gründung gerüstet sind. 

EPU: Ein-Personen-Unternehmen

Inhaber eines Einzelunternehmens ist eine einzige natürliche Person, welche ihr Unternehmen auf eigenen Namen und eigene Rechnung schreibt. EPUs müssen sich ins Firmenbuch eintragen lassen, wenn sie unter die Rechnungslegungspflicht fallen, sprich wenn sie einen Jahresumsatz von mehr als €1,000,000 in einem Jahr oder mehr als €700,000 Jahresumsatz in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren erwirtschaften. Erreicht man diese Schwellenwerte nicht, kann man sich aber trotzdem freiwillig im Firmenbuch eintragen lassen. Diese im Firmenbuch eingetragene (=protokollierte) Unternehmer führen die Bezeichnung „eingetragener Unternehmer“, kurz „e.U.“. 

Weiters sind noch einige andere Dinge zu beachten: Als UnternehmerIn müssen Sie nun selbst eine Einkommensteuererklärung abgeben und die Sozialversicherungsbeiträge an die Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen (SVS) übermitteln. Außerdem sieht das Einkommenssteuergesetz gem. § 109a EStG für Unternehmer in bestimmten Fällen eine kalenderbezogene Mitteilungspflicht von personen- und leistungsbezogenen Daten vor, welche an das zuständige Umsatzsteuer-Finanzamt gerichtet ist. Weitere Informationen zu der Mitteilungspflicht finden Sie bitte auf der Webseite der WKO

Wie ermitteln EPUs ihre Gewinne?

Einerseits steht Ihnen eine Pauschalierungsmöglichkeit (anwendbar bis zu einem Jahresumsatz von maximal €35.000) zur Verfügung. Dadurch müssen Sie sich weder um eine vollumfängliche Steuererklärung noch um verpflichtende Aufzeichnungen unter dem Jahr kümmern. Andererseits können Sie auch Ihre Geschäftstätigkeiten durch eine Einnahmen-Ausgaben Rechnung protokollieren. In unserer Ratgeber-Seite "Einnahmen-Ausgaben-Rechnung" finden Sie nützliche Infos zur EA-Rechnung.

Bitte beachten Sie auch, dass man bei Umsätzen unter €35.000 (exkl. USt.) von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen kann und nicht umsatzsteuerpflichtig ist. Erst ab einem Betrag über €35.000 müssen Sie auf den Rechnungen die Umsatzsteuer abführen, dürfen aber auch die Vorsteuer bei Ausgaben geltend machen. Details finden Sie in unserer Ratgeber-Seite "Kleinunternehmerregelung in Österreich".

Rechtsformen

Wenn Sie ein neues Unternehmen gründen, ist eines der wichtigsten und schwierigsten Schritte, die geeignete Rechtsform zu wählen. Denn jede einzelne bringt verschiedene Vorteile als auch Nachteile mit sich. Weiter zu unserer Ratgeber-Seite "Unternehmensgründung in Österreich".

Im Grunde gibt es Personengesellschaften, wie etwa Kommanditgesellschaften (kurz KG) und Offene Gesellschaften (kurz OG), welche der ESt unterworfen sind. Kapitalgesellschaften, wie eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (kurz GmbH) unterliegen der KöSt. Hieraus können sich steuerliche Vorteile, abhängig vom Jahreseinkommen, ergeben.

Weitere Infos finden Sie hier: 

Eine Offene Gesellschaft (kurz OG) ist eine Firma, in der zumindest zwei Gesellschafter persönlich, unbeschränkt und solidarisch haften. Der Abschluss erfolgt mittels Unterzeichnung eines Gesellschaftsvertrages zwischen mindestens zwei Gesellschaftern und Eintragung im Firmenbuch. Für die OG besteht erst eine Verpflichtung zur doppelten Buchführung und Bilanzerstellung, wenn sie die Rechnungslegungsgrenzen überschreitet, 
sprich wenn sie einen Jahresumsatz von mehr als € 1,000,000 in einem Jahr oder mehr als €700,000 Jahresumsatz in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren erwirtschaftet. Ansonsten können Sie Ihre Buchhaltung durch eine EA-Rechnung führen.

Die Kommanditgesellschaft (kurz KG) ist eine Firma, bei der zumindest ein Gesellschafter (Kommanditist) bis zu einer begrenzten - im Firmenbuch bestimmten – Summe haftet, während mindestens ein anderer Gesellschafter (Komplementär) unbeschränkt haftet. Sprich, ein Komplementär haftet persönlich mit seinem gesamten Vermögen. Die KG wird durch einen Gesellschaftsvertrag abgeschlossen und wird im Firmenbuch angemeldet. Genauso wie bei einer OG besteht eine Verpflichtung zur doppelten Buchführung und Bilanzerstellung bei der KG erst wenn sie rechnungslegungspflichtig ist (siehe oben). Ansonsten kann eine EA-Rechnung verwendet werden. 

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (kurz GmbH) ist eine juristische Person mit eigener Rechtspersönlichkeit, welche ein Stammkapital von mindestens €35.000 aufweisen muss. Dieses ist in Geschäftsanteile mit Stammeinlagen zerlegt, welche die Beträge der Gesellschafter zur Bildung des Stammkapitals darstellt. Die Gesellschaft wird durch Abschluss eines Gesellschaftsvertrags gegründet und bedarf der Anmeldung im Firmenbuch. Zusätzlich ist für Tätigkeiten, welche der Gewerbeordnung unterliegen, auch eine Gewerbeberechtigung erforderlich. Grundsätzlich haftet nur die Gesellschaft mit ihrem  Vermögen, eine direkte Haftung der Gesellschafter besteht nicht.

Wenn Sie ihr Unternehmen als GmbH gründen, gelten unabhängig vom erzielten Umsatz außerdem die unternehmensrechtlichen Rechnungslegungsvorschriften, sprich Sie müssen einen Jahresabschluss aufstellen, welcher dann bei dem Firmenbuchgericht einzureichen ist. Weitere Infos zu der Doppelten Buchhaltung finden Sie hier. (LINK) 

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