Arbeitszimmer an Privatadresse | Geschäftlich genutzter Raum | Steuerliche Absetzbarkeit

Arbeitszimmer [von Steuer absetzen]

Letzte Aktualisierung:
Simone A. Mitgründerin, Entwicklung, Inhalt & Marketing

Ein Arbeitszimmer ist laut Gesetz ein privater Raum, der im Wohnungsverband mit anderen Räumen und für die betriebliche Tätigkeit genutzt wird. Viele Unternehmer benutzen für die Ausübung ihrer gewerblichen Tätigkeit einen solchen Raum an der privaten Wohnadresse als Arbeitszimmer. Aufwendungen dafür, sprich Kosten, sind (anteilig) steuerlich abzugsfähig, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

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Arbeitszimmer: Definition

Merkmale & Anforderungen Arbeitszimmer | Steuerliche Absetzbarkeit


Vielen ist ein (auch) für die Arbeit ausgestattetes Zimmer an der privaten Wohnstätte bekannt.
Aber: Welche Anforderungen an den betreffenden Raum müssen eigentlich erfüllt sein, damit das Zimmer im Zuge der betrieblichen Nutzung auch steuerrechtlich als Arbeitszimmer anerkannt wird und damit die Anforderungen für die steuerliche Absetzbarkeit der verbundenen Kosten erfüllt sind?


Merkmale und Anforderungen eines Arbeitszimmers für die steuerliche Absetzbarkeit

Die den geschäftlichen Zwecken entsprechende Ausstattung alleine macht den Raum noch nicht zum Arbeitszimmer und erlaubt somit noch keine steuerliche Absetzung.

Daher gilt es, die folgenden Merkmale und maßgebenden Bestimmungen zu beachten, damit das Arbeitszimmer auch steuerrechtlich als solches anerkannt werden kann:

  • Ein Arbeitszimmer ist laut Gesetz ein privater Raum, der im Wohnungsverbund mit anderen Räumen steht und für die betriebliche Tätigkeit genutzt wird.

  • Das Zentrum der betrieblichen Tätigkeit muss in diesem Raum nachweisbar sein. Im Zweifel muss der Nachweis erbracht werden, dass diese betriebliche Tätigkeit zu mindestens 50 % im Arbeitszimmer durchgeführt wird. Die (technische Raum-) Ausstattung muss daher auch dem betrieblichen Zweck entsprechend sein.


Definition: Abgrenzung des steuerrechtlichen Begriffs des Arbeitszimmers

Als Arbeitszimmer im steuerrechtlichen Sinn ist ein Zimmer bzw. Raum zu verstehen, der den Charakter eines Wohn- oder Büroraums aufweist.
Ein solches Arbeitszimmer gehört dem jeweiligen Wohnungsverband an, wenn es sich (baulich) in derselben Wohnung, egal ob zur Miete oder im Eigentum, in einem privaten Wohnhaus, oder aber auch auf demselben Grundstück (z.B. baulich alleinstehendes Gebäude, Gartenhäuschen, etc.) befindet. Jedenfalls spricht immer für einen Wohnungsverband, wenn der als Arbeitszimmer genutzte Raum auch vom Wohnraum aus, im Regelfall also von der Wohnung aus bzw. direkt im Wohnhaus, begehbar ist.


Kein steuerrechtliches Arbeitszimmer und dennoch steuerlich abzugsfähig

Es gibt aber auch Räume, die nicht unter den Begriff des Arbeitszimmers fallen, aber aufgrund ihrer Ausstattung und Zweckbestimmung dennoch typisch für die Berufsausübung sind und eine private Nutzung daher grundsätzlich nicht anzunehmen ist:

  • Ordinations- und Therapieräumlichkeiten, bei denen aufgrund ihrer Ausstattung eine Nutzung im Rahmen der privaten Lebensführung im Regelfall auszuschließen ist (z.B. Ordination eines praktischen Arztes, eines Zahnarztes)

  • Labors mit ihrer entsprechenden Einrichtung

  • Fotostudios

  • Film- und Tonaufnahmestudios

  • Kanzleiräume, deren Einrichtung die Nutzung im Zuge privater Lebensführung im Regelfall ausschließt
    Dabei zu beachten: Das ist der Fall, wenn die Kanzlei regelmäßig im Rahmen mit Beschäftigung von familienfremden Personen (z.B. Sekretärin) und/oder mit Parteienverkehr genutzt wird.

  • Lagerräume, in denen die Aufbewahrung von Warenmustern oder Handelsartikeln eine private Nutzung ausschließen

  • Schallgeschützte Musikproberäume, wenn durch die  Berufsausübung eine Notwendigkeit für einen solchen Raum besteht

  • Werkstätten

Zu beachten: Steuerliche Absetzbarkeit Arbeitszimmer und Mittelpunkt der betrieblichen Tätigkeit

Die Aufwendungen bzw. Ausgaben für ein solches im Wohnungsverband gelegenes Arbeitszimmer sowie dessen entsprechende Einrichtung sind nur dann steuerlich abzugsfähig, wenn das Zimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen Tätigkeit bildet!

Arbeitszimmer oder Ausstattung abschreiben: Übersicht & Bestimmungen

Arbeitszimmer | Steuerliche Abschreibungen geschäftlich genutzter Raum bzw. Ausstattung | Anteilige Abschreibungen | Vorsteuer


Sind die vorhergehend angeführten grundlegenden Voraussetzungen erfüllt, können alle Aufwendungen, die im Zusammenhang mit dem Raum stehen, als betriebliche Ausgaben geltend gemacht werden.

Diese Aufwendungen sind immer anteilig zu betrachten und entsprechend abschreibbar:

  • Miete bzw. Abschreibung bei Eigentum (siehe dazu Ratgeber Absetzung für Abnutzung)
  • Betriebskosten, Reinigung
  • Energiekosten wie Gas, Strom, Heizung
  • Finanzierungskosten
  • Reparatur- und Instandhaltungskosten
  • Technische Ausstattung wie Computer, Fax, Drucker, Kopierer, etc.
  • Möbel- und Einrichtung (sofern diese sich auch im Arbeitszimmer befinden)


Steuerliche Abschreibung Arbeitszimmer und Vorsteuer

Ist der betreffende Unternehmer vorsteuerabzugsberechtigt, kann von allen diesen Ausgaben auch die Vorsteuer abgezogen werden.


Kein steuerrechtliches Arbeitszimmer - aber abzugsfähige Ausstattung des Raumes

Wenn kein steuerrechtlich als solches anerkanntes Arbeitszimmer vorliegt, sind sowohl der Raum als auch die darin befindlichen Einrichtungsgegenstände von einem Abzugsverbot umfasst.
Zu beachten: Das gilt auch, wenn Raum oder Einrichtung (auch) betrieblich genutzt werden, denn Einrichtungsgegenstände sind Gegenstände, deren Zweck in erster Linie die Bewohnbarkeit von Räumen ist.

Abzugsverbot bei Gegenständen, die in erster Linie der Bewohnbarkeit von Räumen dienen:

  • Stühle
  • Tische bzw. Schreibtische
  • Lampen, Schreibtischlampen
  • Schränke
  • Vorhänge
  • Teppiche
  • Wandverbauten, Bilder
  • Bücherregale, Kommoden


Abzugsfähig dagegen sind typische Arbeitsmittel, also Gegenstände, die im Regelfall (auch) betrieblicher Tätigkeit dienen - beispielsweise:

  • Computer, entsprechende Computertische
  • Kopier- und Faxgeräte
  • Drucker
  • EDV-Ausstattungen
  • Telefonanlagen

Diese Einrichtungs- bzw. Ausstattungsgegenstände bleiben im Ausmaß der beruflichen oder betrieblichen Verwendung abzugsfähig - das gilt auch dann, wenn die Gegenstände in Privaträumen oder in einem nicht abzugsfähigen Raum aufgestellt werden.


Abzugsfähigkeit durch Mittelpunkt der gesamten betrieblichen bzw. beruflichen Tätigkeit

Damit die steuerliche Anerkennung von Aufwendungen für Arbeitszimmer und/oder für entsprechende Einrichtungsgegenstände gewährleistet ist, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Aufwand muss für die Ausübung der Tätigkeit der steuerpflichtigen Person unbedingt notwendig sein
  • Der zum Arbeitszimmer bestimmte Raum muss ausschließlich oder nahezu ausschließlich für diese Tätigkeit, also betrieblich bzw. beruflich genutzt werden

Dabei zu beachten: Ob diese Merkmale erfüllt sind, hängt nicht von den gesamten Tätigkeiten, die zu Einkünften führen, ab - maßgebend ist hier der Mittelpunkt für die einzelne Einkunftsquelle, wobei jede einzelne Tätigkeit der steuerpflichtigen Person, die zu Einkünften führt und nicht in Zusammenhang mit anderen den allfälligen Tätigkeiten steht, betrachtet wird.
Hängen die einzelnen Tätigkeiten eng zusammen, werden diese auch als eine einzige Einkunftsquelle betrachtet.


Prüfungen für steuerliche Absetzbarkeit anhand der Tätigkeiten bzw. Einkunftsquellen im Arbeitszimmer

  • Berufsbildbezogene Prüfung: Die Beurteilung, ob ein Arbeitszimmer den Tätigkeitsmittelpunkt darstellt, erfolgt nach dem typischen Berufsbild.

Das trifft für Berufsbilder zu, deren Mittelpunkt typischerweise in einem Arbeitszimmer liegt. Das heißt, die Tätigkeit wird ausschließlich oder nahezu ausschließlich in diesem Arbeitszimmer ausgeübt oder zumindest Tätigkeitskomponenten, die auf das Arbeitszimmer entfallen und für das jeweilige Berufsbild wesentlich sind.
Beispiele hierzu sind: Gutachter, Schriftsteller, Dichter, Teleworker, Maler, Komponist, Buchhalter, die von zu Hause aus operieren.

Bei Tätigkeiten bzw. Berufsbildern, deren Mittelpunkt außerhalb eines Arbeitszimmers liegt: Bei derartigen Tätigkeiten prägt die außerhalb des Arbeitszimmers ausgeübte Komponente das Berufsbild. Die Tätigkeitskomponente, die auf das Arbeitszimmer entfällt, ist bei der Beurteilung des Berufsbildes im Regelfall nicht wesentlich.
Beispiele hierzu sind: Lehrer, Richter, Politiker, Dirigent, Vortragender, Freiberufler mit auswärtiger Betriebsstätte (z.B. in einer Kanzlei).

  • Einkunftsquellenbezogene Prüfung: Die Beurteilung, ob das Arbeitszimmer den geforderten Mittelpunkt der gesamten betrieblichen bzw. beruflichen Tätigkeit darstellt, wird nur anhand der Einkunftsquelle vorgenommen, für die dieses Arbeitszimmer notwendig ist.

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Siehe auch

Quellen